Iustitia #1 – Ungerecht? Gerecht?

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Was ist eigentlich gerecht?

Hach ja. Gerechtigkeit. Doch was ist gerecht? Und selbst wenn wir nun eine Million Menschen fragen würden, stünden wir am Ende mit genauso vielen verschiedenen Antworten da. Und dann gibt es noch so viele Formen der Gerechtigkeit:

– Soziale Gerechtigkeit
– Finanzielle Gerechtigkeit
– Moralische Gerechtigkeit / ethische Fairness
– Chancen- bzw. Bildungsgerechtigkeit
– usw.

Doch worum soll es hier gehen? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht einmal genau. Bei dem, was alles in der Welt passiert, bekommt man oft den Eindruck, dass so etwas wie Gerechtigkeit kaum noch existiert. Gerade bei den oben genannten Beispielen nicht.

Ich habe einen recht ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Und es triggert mich schnell, wenn ich merke, dass etwas nicht ganz gerecht zugeht. Nicht einmal nur auf mich bezogen. Meist auf Menschen, die nicht einmal viel mit mir zu tun haben. Insbesondere im Bezug auf Teilhabe.

Der Wunsch, niemanden auszuschließen

Dabei übersehe ich aber auch schnell viele Dinge und versuche dennoch, meinen Drang, es möglichst vielen Zielgruppen recht zu machen, durchzudrücken. Nehmen wir als Beispiel einfach ein beliebiges Event. Ich möchte dort einen Bereich schaffen, der es Menschen ermöglicht, sich zurückzuziehen, ohne dabei ganz allein zu sein, und der zugleich vom Lärm des Events etwas abschirmt.

Natürlich weiß ich – trocken logisch betrachtet –, dass dies nicht an allen Eventorten möglich ist. Aber das ist mir in dem Moment egal. Vor allem dann, wenn mit Scheinargumenten gearbeitet wird. Dazu gleich mehr.

Es geht bei diesem Beispiel um Menschen, die mental vielleicht nicht sehr belastbar sind oder schnell überreizen durch viele Eindrücke und einfach eine Pause brauchen, ohne sich komplett abzuschotten. Einen Ort zu schaffen, an dem sich genau diese Menschen auch begegnen und vielleicht sogar in Kontakt kommen können. Denn wie hieß es noch so schön? Geteiltes Leid und so weiter.

Viele solcher Personen – mich eingeschlossen – befinden sich in meinem direkten und indirekten Umfeld. Und sie vermissen solche Rückzugsorte oft auf Partys, gerade wenn die Räumlichkeiten sehr groß sind.

Scheinargumente und Teilhabe

Spricht man Veranstaltende darauf an, gibt es allerdings eine Million Gründe, warum so etwas angeblich nicht umsetzbar ist.

„Dann sollen diese Menschen nicht auf solche Veranstaltungen gehen“ – oft kombiniert mit „Wir haben keine Räumlichkeiten dafür“. Während Letzteres meine Logik triggert und ich dem zustimmen kann, aktiviert Ersteres die Iustitia in mir. Denn hier geht es um Teilhabe.

Jeder Mensch, unabhängig von Stand, Herkunft und vor allem vom mentalen Gesundheitszustand, hat ein Recht auf Teilhabe. Das Recht, auch auf Partys oder Events zu gehen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Selbst CSDs und Prides haben inzwischen Awareness-Teams und Rückzugsräume. Ja, der Vergleich hinkt, weil man dort oft auch räumlich Abstand gewinnen kann. Aber es geht um das Prinzip.

Verantwortung von Veranstaltenden

Vielleicht nicht in einer kleinen Kneipe, aber in größeren Locations gibt es oft Potenzial, solche Ecken einzurichten. Und es gibt inzwischen auch günstige Möglichkeiten, Bereiche zumindest etwas vom Lärm abzuschirmen.

Argumente wie „Wir können oder wollen es nicht jedem recht machen“ oder „Dann sollen diese Menschen woanders hingehen“ sind für mich immer bitter. Denn oft gibt es dieses „woanders“ schlicht nicht. Jedes Event ist einzigartig – egal ob kleiner Stammtisch oder riesige Fetisch-Party.

Als organisierende Person, egal ob gewinnorientiert oder nicht, sollte einem doch daran gelegen sein, dass Menschen teilnehmen können und sich wohlfühlen. Ich verstehe räumliche Grenzen. Aber andere – oft vorgeschobene – Argumente sind unangebracht.
Was ich jedoch fast noch wichtiger finde, ist: Zuhören. Viele wollen nicht einmal Ideen hören, wie man Dinge umsetzen könnte. Oder Kritik, was schiefläuft oder gelaufen ist. Im Gegenteil.

Gewinnorientierung ist per se nichts Schlimmes. Aber gerade in LGBTQIA*-Communities sollte Inklusion ernst gemeint sein, um möglichst vielen Menschen Teilhabe zu ermöglichen. Das wäre für mich persönlich Iustitia in Reinform – zumindest im Kontext von Veranstaltungen.

Gerry

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