Rückblick und Pause
Der fünfte Februar 2025 war der letzte Blog, den ich geschrieben habe. Ein wenig später habe ich entschieden, dass ich aufhören möchte, und entsprechend die Seite in den Wartungsmodus gestellt – mit der Information, dass es erst einmal nichts Neues geben wird. Und für den damaligen Moment hat es sich auch richtig angefühlt.
Doch das Jahr selbst lief nicht so gut, und im Laufe der letzten Wochen habe ich das Gefühl bekommen, dass mir etwas fehlt und außerdem, dass ich mich wieder mehr mit meinen Gedanken auseinandersetzen möchte. Den guten wie auch den schlechten. Und hier sind wir.
Ein neues Konzept
Ich habe mir viel Zeit genommen, ein neues Konzept zu finden und zu überlegen, wie die Seite am Ende aussehen soll. Was für einen Stil will ich insgesamt? Aber das ging schneller als gedacht. Vor allem das Konzept war recht schnell festgelegt. Ich war schon immer fasziniert von dem Konzept der Sünden und Tugenden. Ich bin nicht gläubig, aber irgendwie ist das etwas, was mich sehr interessiert hat.
Vor vielen Jahren habe ich sogar mal angefangen, eine Kurzgeschichten-Reihe dazu zu schreiben, diese jedoch nie beendet. Allerdings habe ich mich nicht ganz an die Originaltugenden gehalten, da ich ein Konzept wollte, welches am Ende alle bedient.
Sünden und Tugenden
Hier einmal eine kleine Tabelle mit den von mir festgelegten Bereichen. Eine Erklärung dazu folgt danach.
Sünden
Superbia (Hochmut)
Avaritia (Gier)
Luxuria (Wollust)
Ira (Zorn)
Gula (Völlerei)
Invidia (Neid)
Acedia (Trägheit)
Tugenden (Und Originaltugenden)
Prudentia (Weisheit) – Statt Humilitas (Demut)
Caritas (Nächsten-/Liebe)
Iustitia (Gerechtigkeit) – Statt Castitas (Keuschheit)
Spes (Hoffnung) – Statt Patientia (Geduld)
Temperantia (Mäßigung)
Fides (Glaube z. B. an sich selbst) – Statt Humanitas (Güte)
Fortitudo (Stärke) – Statt Industria (Fleiß)
Ich habe die Tugenden an mein Leben ausgerichtet, mit Dingen, die ich wirklich sinnvoller finde als die Originaltugenden. Und ich denke, ich habe damit einen guten Weg eingeschlagen.
Die Sünden und Tugenden sind wiederum in Obscuritas (Dunkelheit) und Lux (Licht) eingeteilt und damit tatsächlich sogar in einem kleinen Twist verwickelt.
Warum dieses System?
Aber kurz zum „Warum?“: Ich liebe Schubladen. Ich mag es sehr, Dinge in Kategorien zu packen und sie für mich damit greifbarer zu machen – und sie besser zu verstehen. Aber vor allem, um zu schauen, wie sich mein Denken und meine emotionale Lage im Laufe der Zeit verändern können.
Wo liegt mein Fokus in welchem Zeitraum? Was nimmt mich in welchem Ausmaß mit? Im Guten oder Schlechten, und durch wie viele Grautöne läuft das alles? Und so weiter und so fort.
Es wird hier nicht darum gehen, meine Gedanken oder Emotionen in gut oder schlecht einzuteilen. Das ist mit diesem Konstrukt auch gar nicht direkt möglich – und bei meinem Kopf erst recht nicht. Es geht eher darum, auch mal vom Licht in den Schatten zu treten und umgekehrt. Denn ihr werdet früher oder später merken, dass Beiträge im „Lux“-Bereich nicht zwangsweise positiv zu sehen sind und Beiträge im „Obscuritas“-Bereich nicht zwangsweise etwas Negatives sein müssen.
Ein kleines Beispiel: Ira (Zorn) kann zum Beispiel auch positiv sein und für Selbstkontrolle stehen. Und Spes (Hoffnung) dafür, wie man genau diese wieder verliert. Nichts in meinen Kategorien wird eindeutig gut oder eindeutig schlecht sein. Im Gegenteil: Die Grenzen werden bewusst verschwimmen.
In Zukunft soll der Blog auch dafür dienen, um über Dinge zu berichten, die mich bewegt haben. Zum Beispiel ein Erlebnis, über ein Film oder Spiel, welches mich beschäftigt. Und so weiter und so fort. Und da wird es auch herausfordernd, dass in einer der 14 Kategorien einzuordnen.
Veröffentlichungsrhythmus und Vorbereitung
Auf der Startseite kann man übrigens sehen, in welchem Bereich wie viele Beiträge gepostet wurden – sowohl in den Bereichen „Lux“ und „Obscuritas“ als auch in den einzelnen Sünden und Tugenden.
Puh. Das war ganz schön viel nur für die Einleitung und eine Grunderklärung des neuen Konzepts. Dabei gibt es noch ein bisschen mehr zu sehen.
Ich werde – auch wenn es diesen Monat so wirken wird – nicht aus Zwang posten, sondern dann, wenn ich etwas zu erzählen habe, das mich (sehr) beschäftigt. Ich werde nicht mehr im Hinterkopf haben: „Du hast einen Blog. Den musst du unbedingt mal wieder bespielen.“
Eher ein: „Dich beschäftigt das. Möchtest du es teilen? O Ja O Nein O Vielleicht.“
Dennoch möchte ich, dass Ende Januar in jedem Bereich ein Beitrag ist. Deswegen habe ich Ende Dezember bereits vierzehn Blogs vorgeschrieben, welche ab morgen, dem 2. Januar 2026, alle zwei Tage erscheinen werden. Beginnend mit Caritas und endend mit Ira. Dabei geht es um sehr viele und manchmal auch sehr ähnliche Themenbereiche. Ich hoffe, dass jemand vielleicht etwas für sich mitnehmen kann.
Es geht von Arbeit über Sexualität und Selbstbild bis hin zu philosophischen Grundfragen für mich selbst. Es war sehr spannend, so weit im Voraus zu arbeiten.
Dabei habe ich vieles immer wieder geändert: Absatzstile, Zwischenüberschriften in Menge und Art und so weiter. Es wird also in den Beiträgen zunächst ein kleines Hin und Her geben, da ich mich schriftlich noch einmal selbst finden will.
Sprachen und bestehende Projekte
Kommen wir nun zu etwas ganz Neuem: Sprachen. Mein Blog wird in Zukunft zweisprachig erscheinen – auf Deutsch und auf Englisch. Eigentlich wollte ich noch eine dritte Sprache einführen: Deutsch, angelehnt an leichte Sprache.
Warum ich Englisch möchte, ist, denke ich, nahezu selbsterklärend. Da unter meinen Folgenden aber viele neurodivergente Personen sind, wollte ich zusätzlich leichtere Texte zur Verfügung stellen.
Leider hat es finanziell nicht ausgereicht, das Tool, welches ich für die Übersetzungen hier im Blog verwende, auf eine dritte Sprache zu erweitern. Dennoch habe ich alle Blogtexte bis einschließlich Ende Januar in allen drei Sprachen gespeichert. Vielleicht finde ich dafür noch einen Weg.
Aber es gibt auch etwas Altes, das erhalten bleibt. Ich habe die damaligen Sonderprojekte „Awareness & Respect“ und „Take my hand“ zu einem Projekt zusammengelegt und weiterhin unter
https://g-wie-gerry.de/take-my-hand-awareness-respect/
verfügbar gemacht. Außerdem habe ich mir die Mühe gemacht, alle bisherigen Beiträge in diesen Bereichen ins Englische zu übersetzen.
Es ist mir wichtig, diese Projekte weiterhin zur Verfügung zu stellen, auch wenn sie bisher nicht so oft in Anspruch genommen wurden.
Dort geht es weiterhin sowohl um Erfahrungen aus der queeren Community (A&R) als auch um Hilfeanfragen zum Leben oder Ähnliches (TMH). Und auch hier der Hinweis: Ich bin kein ausgebildeter Psychologe und gebe meine Ratschläge ausschließlich aus eigener Lebenserfahrung heraus.
Andere Beiträge – abgesehen von A&R und TMH – von vor dem 1. Januar 2026 sind in einem grauen Design gehalten. Sie werden nicht mehr angefasst und können auch nicht mehr kommentiert werden.
Zum Schluss
Ich bin jetzt bei rund 1.000 Worten und möchte ungern noch viel weiter schreiben. Dennoch möchte ich den Lesenden noch etwas mit auf den Weg geben:
Ich schreibe hier über meine psychologischen Einschränkungen. Über das, was ich empfinde. Und auch wenn ihr vielleicht den Eindruck bekommt, ich sei „unglücklich“ oder „wütend“ wegen euch, muss das nicht so sein. Es geht darum, meinem Kopf Luft zu machen. Und das alles mit der Welt zu teilen und vielleicht erkennt sich jemand in meinen Gedanken wieder und findet den Mut, selbst mal was zu schreiben oder seinem Kopf mehr Ausdruck zu verleihen. Und wenn ihr es mir doch übel nehmt, wird es wohl so richtig sein. Denke ich.
Es wird oft genug passieren, dass ich selbst denke: „Wenn ich das schreibe, könnte es Person XY traurig machen.“ Es ist ein Prozess, den ich lernen muss – ehrlich wiederzugeben, was ich empfinde, statt aus Rücksicht auf andere Dinge in mich hineinzufressen.
Wenn ihr Fragen habt, schreibt mich gern an oder ab in die Kommentare. Ich bin in jedem Fall erleichtert, dass ich das hier alles geschafft habe.
Euch allen ein gesundes neues Jahr.
Gerry
2 Leuchten zu „Nuntii #1 – Willkommen zurück“
Ich freu mich auf dein inneres, eh deine Innereien, ehhhhhh deine neuen Blogs. Happy new Year and Blog.
Das klingt ja nach nem richtig spannenden Projekt. Auch für Neurodivergente, die vielleicht den Mut darin finden, sich selbst mitzuteilen ohne Furcht vor Repression.
Ich freue mich schon über weitere Beiträge!