Invidia #1 – Das Glück der anderen in der Jobsuche

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Alter, Erfahrung und der Vergleich mit anderen

Mittlerweile gehe ich nun auch stark auf die 40 zu. Ich bin in meinem Leben sehr vielen Menschen begegnet. Manche davon standen mir nahe, andere wiederum eher nicht. Aber viele von ihnen haben etwas gemeinsam: Sie haben ein unheimlich verschissenes Glück in der Jobsuche.

Es gibt einige Beispiele, die ich hier nennen könnte, welche allerdings den Rahmen des geplanten Januars in Sachen Blogs sprengen würden. Daher gehe ich hier nur auf die für mich prägnantesten Aspekte ein.

Menschen mit scheinbar mühelosem Zugang zu Arbeit

Viele Menschen, die meinen Weg kreuzten, waren – während wir uns kannten – arbeitslos. Manche davon öfter, andere nicht. Ein Mensch ist sogar sehr häufig arbeitslos gewesen. Allerdings … ist er immer schnell in neue Arbeit gekommen. Was per se nichts Schlechtes ist. Aber für mich persönlich war es sehr schockierend zu sehen, wie einfach dieser Mensch es hatte.

Natürlich haben diesem Menschen nur wenige der ganzen Jobs Spaß gemacht, aber er musste sich nie Gedanken darüber machen, überhaupt einen Job zu finden. Und das hat mich immer wieder fuchsig gemacht. Und ja: auch abgrundtief neidisch.

Netzwerke, Beziehungen und ungleiche Startbedingungen

Er hatte immer irgendwelche Personen, die ihn in irgendeine Arbeit gebracht haben. Sei es ein flüchtiger Bekannter, ein ehemaliger Arbeitskollege oder Verwandtschaft. Er ist immer irgendwie an neue Arbeit gekommen, ohne selbst dafür groß den Finger krumm machen zu müssen. Die neuen Beschäftigungen wurden ihm quasi in den Schoß gelegt.

Andere Menschen wiederum hatten zwar nicht so viel Glück, aber dennoch reichten manchmal ein oder zwei Bewerbungen, um schnell wieder in neue Arbeit zu gelangen. Und ich frage mich, warum ich es da nicht etwas leichter habe.

Bildung, Herkunft und begrenzte Möglichkeiten

Ich habe ja im ersten Beitrag von Acedia bereits geschrieben, wie nervig das ist. Das möchte ich hier noch etwas vertiefen.

Bildung ist generell etwas, das der oberen Mittelschicht und darüber vorbehalten ist. Selten kommen Menschen aus der unteren Mittelschicht oder darunter an Studienplätze oder Ähnliches. Stipendien sind sehr rar gesät.

Das heißt, dass bei vielen Menschen die Möglichkeit der Weiterentwicklung stark begrenzt ist. So war es auch bei mir. Ich war ein Musterschüler, bis wir in einen Brennpunkt gezogen sind. Mobbing war mir vorher schon vertraut, dort wurde es aber noch extremer. Das sorgte dafür, dass ich zum unteren Klassendrittel gehörte – ein tiefer Sturz für mich.

Im Laufe der Jahre wurde so etwas wie ein Abitur unerreichbar. Eine Ehrenrunde gedreht und dann arbeitslos gewesen.

Bewerbungen, Abschlüsse und strukturelle Hürden

So wie jetzt auch in Teilen, habe ich mich damals überall beworben, selbst dort, wo die Qualifikationen auf dem Papier nicht vorhanden waren. Aber niemand stellt jemanden ein, ohne einen passenden Studienabschluss.

Ich hänge mich sehr an diesem Thema auf. Das weiß ich. Aber am Ende ist die soziale Herkunft oft der Grund, warum Menschen nicht vorankommen. Ich habe Menschen in Schwarzarbeit feststecken sehen, ohne Hoffnung auf Besserung.

Vierzehn Jahre Stillstand und die Angst vor Wiederholung

Auch habe ich jetzt 14 Jahre in einer Beschäftigung gesteckt, die mich weder weitergebracht noch mir gutgetan hat – aus Angst, nichts anderes zu finden. Jetzt bin ich in der Zwangslage, etwas finden zu müssen. Und ich habe diese riesige Angst, wieder irgendeinen Job zu nehmen, nur um zu arbeiten und der kommenden, viel zu menschenunwürdigen Grundsicherung zu entkommen, um dann erneut festzustecken und psychologisch noch schlechter dazustehen.

Neid, Selbstverachtung und berechtigte Fragen

In Situationen wie jetzt kommt der Neid noch weiter hoch – und dabei auch unabsichtlich eine gewisse Missgunst.
„Warum Mensch XY und nicht ich?“

Und dann verachte ich mich selbst wieder mehr, weil ich missgünstig und neidisch bin. Das geht dann so weit, dass ich wieder in einen „Ich bin unzufrieden mit meiner beruflichen Entscheidung“-Trott gelange.

Aber die Frage hat meines Erachtens durchaus ihre Berechtigung: Warum haben so viele Menschen so viel Glück und finden – zum Beispiel trotz fehlender Kompetenzen oder notwendiger Weiterbildungen, die diese Firmen dann sogar bezahlen – schnell neue Jobs, während ich in dieser Existenzangst förmlich bade?

An euch Lesende: Erfahrungen, aber keine Floskeln

Wie ist es euch da ergangen? Habt ihr Ratschläge?
Und – so gemein es auch klingt – verzichtet bitte auf Aussagen wie: „Wenn du positiv denkst, bekommst du schneller einen Job.“ Es gibt Menschen, die das nicht können, zum Beispiel aus psychologischen Gründen. Und auch diese Menschen sollten doch etwas mehr Glück verdienen.

Und dieses Glück wäre einfacher zu erreichen, wenn Unternehmen endlich aufhören würden, so zertifikatsversessen zu sein, und vielleicht auch mal sagen:
„Wir nehmen jetzt mal einen Quereinsteiger, der vielleicht andere, für uns wichtige Kompetenzen hat.“

Gerry

1 Leuchten zu „Invidia #1 – Das Glück der anderen in der Jobsuche“

  1. Ich bin einer von denen, der immer zu viel Glück hatte. Von einem Quereinstieg in den nächsten. Manchmal durch eine doch kompetente Person vom Amt, oder durch bekannte, wo es zufällig gepasst hat und ich so nen Job fand. Dennoch ist sowas auch ermüdend, also für mich, da ich immer ins nächst Beste gehüpft bin. Zu guter Letzt hab ich aktuell einen Job gefunden, der zu mir passt und wo ich zufrieden bin. Und 800 Euro netto mehr zu meinem letzten Job is schon ne Hausnummer XD. Für diesen habe ich mir aber Zeit genommen und Instagram kehrte mir das Glück ins Endgerät.

    Hab ich mir den Job 100% zugetraut? Nein.
    Hab ich es dennoch gewagt? Ja und dabei gelernt, dass ich mir ruhig mehr zutrauen kann als ich oft tue.

    Ich wünsche dir auch Glück und Erfolg, den richtigen Job für dich zu finden. Gern auch mit mehr Gehalt als ich, dann kannst du mich künftig zum Essen einladen. *kicher*

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Erklärung: Düsternislevel

Das Düsternislevel gibt an, wie deprimierend der Text sein kann. Dies ist zur schnellen Einschätzung, insbesondere für neurodivergente Personen, ob man genug Freiraum im Kopf hat, um so einen Text zu lesen.
Dabei werden (subjektiv) Dinge wie Auslöser, Thema, Wortnutzung etc. berücksicht.

Je höher das Level, desto düsterer kann ein Text sein. Sollte das Level 80 % überschreiten, gibt es zusätzlich noch eine Inhaltsnotiz.

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