ANGST #2: Vergangenheit – Soll doch bleiben, wo sie ist

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Heute habe ich beschlossen, dass es ein seichter Beitrag wird. Denn der morgige ist durchaus, heftig. Je nachdem wer ihn liest. Daher kommen wir zur Vergangenheit.

‚Lass die Vergangenheit doch ruhen.‘ Kennt ihr so einen oder ähnliche Sätze? Ja? Dann wisst ihr doch sicher auch, wie nervig diese Sätze sind. Insbesondere dann, wenn sie von Menschen aus der Vergangenheit kommen. Und das ist gar nicht mal so selten passiert.

Im Laufe der letzten Jahre haben viele Menschen Kontakt zu mir gesucht. Alte Schulkameraden, Ex-Kerle, ehemalige Freunde. Und wenn es dann zu Themen kam, die denen unangenehm wurden, wurde ich immer gefragt, ob ich das nicht ruhen lassen kann. Und meine Antwort ist klipp und klar: NEIN! Kann ich nicht.

Inzwischen kriege ich tatsächlich leichte Panikschübe, sobald ein Name auf dem Display auftaucht, den ich noch sehr gut kenne. Erst recht, wenn es eine Person ist, die mir übel mitgespielt hat. Dann kommen Gedanken wie ‚Oh mein Gott. Was will der / die jetzt von mir.‘
Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl. Kennt ihr die Aufregung, die auftritt, wenn ihr euch auf etwas freut? Ein Date zum Beispiel? So ungefähr ist es. Nur, dass es begleitet wird von einer gewissen Kälte und plötzlichem, unangenehmen Schwitzen. Irgendwas zieht sich innerlich zusammen. Als ob jemand euer Herz nimmt, und es leicht zerdrückt. Sehr unangenehm. Gerade wenn es z.B. eine/r aus der Familie ist.

Aber das Gefühl kommt nicht von irgendwoher. Die meisten Menschen, die ich kenne, kommen damit klar, wenn Leute sie anschreiben, von der sie jahrelang nichts mehr gehört haben. Unabhängig, von den Erfahrungen die gemacht wurden. Ich habe, gerade in den zwanzigern, sehr oft alte Kontakte wieder akzeptiert mit dem Gedanken „Wird schon schiefgehen“. Und entweder habe ich es mit dem Denken herbeigerufen oder es ist generell so; Es ging schief. Jedes einzelne Mal.
Der Punkt, dass ich Dinge nicht gut auf sich beruhen lassen kann, sorgt ebenfalls immer wieder dafür, dass ich alte Sachen anspreche.

„Warum hast du das damals getan?“
„Wieso hast du dich so verhalten?“

Und so weiter. Nur liegt es in der Natur des Menschen, dinge zu verleugnen oder totzuschweigen. Ein ‚Das wirfst du mir immer noch vor?‘ ist dabei einer der beliebtesten Sätze. Und ja das tu ich. Entweder hat es mich verkorkst, oder mir meine Zukunft generell erschwert. Warum also, solle ich dich davon kommen lassen? So zumindest sehe ich das.

Das Problem ist, dass die meisten nicht Diskutieren wollen, sondern gleich auf Konfrontation gehen. Sie sind nicht gewillt, dass auszudiskutieren. Oder vielleicht logisch zu versuchen zu argumentieren. Und zum Schluss bin ich es, der sich mies fühlt, weil ich auch der bin, der mit diesem Päckchen sehr lange, oder sogar für immer, herumlaufen muss.

Jedes Mal endete es darin, dass ich da saß und mich gefragt habe, ob es falsch ist, was ich tu. Ob ich vielleicht nicht das Recht habe, diese Dinge aus der Welt und von meinen Schultern zu schaffen.
Ich bin der Auffassung, dass ich das Recht habe, diese Dinge zu hinterfragen. Jedoch werde ich mir in Zukunft das Recht herausnehmen, solche Kontakte nicht mehr anzunehmen.

Insbesondere dann, wenn sich die Personen nicht mal im Ansatz bewusst sind, was sie eigentlich getan hatten. Ich finde es immer seltsam, wenn Leute sich wundern, dass keiner Kontakt zu ihnen möchte, obwohl sie z.B. gelogen, betrogen oder sich sehr asozial verhalten haben.
Ich finde deshalb, dass die Vergangenheit da bleiben sollte, wo sie ist. Vergangen. Die Wege haben sich nicht umsonst getrennt oder sind im Sande verlaufen. Und wer mich verletzt hat, egal in welcher Form, bekommt so schnell keine Chancen mehr von mir. Dazu muss man sich schon richtig anstrengen, damit ich diese Prozedur eines Neuanfangs nochmal über mich ergehen lasse.

Es wird weiter das komische Gefühl bleiben, wenn jemand mich kontaktiert. Doch ich werde versuchen, in Zukunft besser zu überlegen, diese Kontakte in irgendeiner Form zuzulassen und nicht einfach zu sagen „Hey. Wird schon. Schreib einfach ein wenig mit dem/der.“ Ich werde diese Panik, diese Angst von einer Person wieder und wieder enttäuscht zu werden, wahrscheinlich nie wieder los. Aber dennoch.
Es wird wirklich Zeit, mein eigenes Wohl in den Vordergrund zu stellen.

Ende – ANGST #2 : Vergangenheit

Anmerkung: Dies ist/wird kein Selbsthilfeblog. Bei wirklich starken Problemen, sucht bitte professionelle Hilfe auf.

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7 shines on „ANGST #2: Vergangenheit – Soll doch bleiben, wo sie ist“

  1. Sooo, Huuuhuuuu Gerry :3
    Nun habe ich auch den 2. Teil gelesen 🙂
    Und zwei Punkte in dem Beitrag sind mir sehr stark in die Augen gesprungen mit denen ich noch sehr identifizieren kann.
    Zum einen das alte Sachen ansprechen und ausdiskutieren. Solange ich ein Thema nicht zuende geredet habe, verfolgt es mich in tiefstem dunkel des Kopfes bis es wieder getriggert wird. Ich verdränge vieles zum Wohle meiner Mitmenschen aber es kommt immer wieder hoch. Ich mag diskutieren nicht weil es sehr hitzig werden kann aber etwas nicht zu Ende reden mag ich noch weniger x.x
    Der zweite Punkt ist, wenn noch Leute anschreiben mit denen ich abgeschlossen habe aufgrund von schlechten Erfahrungen und genau wie du have ich oft ein ganz schwer zu beschreibendes Gefühl tief in mir. Teilweise kriege ich Wahnvorstellungen was genau diese Person eventuell von mir will und überdenke extrem in solchen Momenten.
    Ich fühle so stark mit deinen geteilten Gefühlen, dass es mir schon fast „Angst“ macht D:
    Noch einmal mag ich noch für deine niedergeschriebenen Worte bedanken.
    Viele Hugs für dich

    1. Hey Gin,
      das mit „was genau diese Person eventuell von mir will“ ist bei mir ganz schlimm.
      Ich male mir sämtliche Horrorszenarien aus die mit der Person in Verbindung stehen können. Das Problem ist, dass ich auch die Erfahrung mache, dass die Person bei anderen Leuten sich einzukratzen, die mit der eigentlich nichts zu tun haben. Und da denke ich auch viel schlechtes, was dabei herumkommen könnte.
      Vergangenheit ist nicht leicht.
      LG Gerry

  2. Hey, Gerry.
    Wie immer sehr schön geschrieben, aber was ich mich nach dem Beitrag frage ist…
    Wieso… Sind wir uns so ähnlich?
    Ich bin literally genauso, wenn mich jmd anschreibt mit dem iwas war, dass ich über das vergangene reden will und diese Sätze zu hören bekomme. Ich selber würde, wenn mir jmd diese Frage stellt darauf antworten und das versuchen auszudiskutieren, selbst, wenn ich selber nicht weiß, warum ich Dinge getan habe, wie ich sie getan hab. Es erschwert das zusammen kommen ungemein, wenn man nicht weiß, wieso es so gekommen ist, man aber auch keine Antwort drauf erhält…
    Danke für diese Beitragsreihe, es hilft, mir persönlich, wirklich mal selber über diese Dinge nachzudenken.
    Liege Grüße
    Hati 🙂

  3. Ein Beitrag der auch mich eins zu eins wiederspiegeln könnte. Dass alles kenne ich nur zu gut, leider……..
    Diese fragen stelle ich mir bisheute bei vielen auch „Warum hast du das damals getan?“
    „Wieso hast du dich so verhalten?“
    Leider bin ich doch manchmal zu naiv und blind.
    Mich hat es auch sehr zum nachdenken angeregt.

  4. TheSpellbreaker

    Hallo Gerry!
    Ich kann das durchaus Nachvollziehen, wobei ich selber immer versucht bin einen gewissen guten Kontakt zu behalten, egal ob bei Freunden oder Beziehungen. Weil eben genau das Problem ist das es sich heute immer schlechter vermeiden lässt das man sich sieht oder liest irgendwo. Einer der großen Nachteile des Internets, das ist mein ernst 😉
    Ich bin immer bedacht Kontakt zu halten oder zumindest einen positiven Abschluss zu finden, daß man sich normal unterhalten kann oder sich aus einer Ex-Beziehung eine Freundschaft entwickelt (je nach dem was Vorgefallen ist natürlich nur). Ich fühle mich dann einfach Besser. Habe zwei Ex-Beziehungen zu denen ich nach einiger Zeit wieder einen guten Kontakt pflege, und fühle mich besser dabei.
    Aber ich denke da ist einfach auch jeder anders gestrickt, für manche ist der komplett-Abschluss vermutlich besser, aber das ist wie schon geschrieben ja heutzutage nicht einfach.
    Wo ich dir absolut recht geben ist der Punkt „Vergangenheit ruhen lassen“ oder das nicht mehr ansprechen. Da bin ich auch absolut kein Freund von.

  5. es ist vorallem erstaunlich wie schnell sich menschen angegriffen fühlen sobald man sie mit der vergangenheit konftontiert. Ich zum beispiel hab einfach sämtliche personen überall blockiert. hilft nicht immer, aber die vergangenheit sollte da bleiben wo sie ist.

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