Der Anfang und die Ausreden
Ich erzähle euch jetzt mal etwas Schockierendes: Ich bin eine Couch Potato. (Was bitte habt ihr nun gedacht?) Ich habe seit über zwei Jahren ein Fahrrad, aber bis auf den Tag des Erhalts habe ich es aus vielen Gründen nicht genutzt. Darunter fallen Depressionen oder das Wetter. Wer fährt schon gerne bei 30+ Grad oder 0 Grad Fahrrad?
Ich hatte es dennoch immer vor. Und dann neue Ausreden gefunden, es nicht zu tun. Eine Große war, dass ich gerne mit anderen fahren möchte, statt allein. Also stand es einfach nur rum.
Die erste Fahrt – herausfordernd und besonders
Vor wenigen Wochen musste das Fahrrad von meiner alten Wohnung zu meinem neuen Wohnort transportiert werden. Man wollte es eigentlich herfahren. Allerdings war die Person kleiner als ich, und mein Sattel ist so eingestellt, dass ich den Boden mit den Zehenspitzen berühre, wenn ich sitze. Für sie war es also nichts. Einen Transporter hatten wir auch nicht.
Also musste ich selbst ran: Hin zur alten Wohnung mit dem Auto, zurück mit dem Fahrrad – bei Sprühregen. Ihr könnt euch vorstellen, wie nass ich war, als ich wieder am Ziel war. Aber etwas war „besonders“.
Solange es ebenerdig blieb, war ich tiefenentspannt. Obwohl ich keine Musik hörte und es nasskalt war, habe ich es tatsächlich genossen, einfach quasi „dahinzusegeln“ und die Luft zu genießen.
Die Steigungen und die Anstrengung
Sobald es leichte Steigungen gab, war es vorbei mit der Entspannung. Ich bin einfach zu unsportlich. Selbst bei minimalen Steigungen musste ich danach röcheln wie ein Irrer. Gerade diese Stellen führten aber dazu, dass ich danach ziemlich kaputt war.
Aber da war ein Drang, der dafür sorgte, dass ich zwei Tage später wieder auf das Fahrrad stieg und erneut in den alten Wohnort fuhr, weil dort ein guter Fahrradladen war und ich noch einen Helm brauchte. Dort angekommen, machte ich eine kleine Trinkpause. Danach ging es wieder zurück. Nach insgesamt ca. 13 Kilometern war ich wieder zu Hause. Mein Körper war taub, und ich musste mich erst einmal lange ausruhen. Und dennoch war ich genauso tiefenentspannt wie zuvor.
Die Routine und das Vertrauen
So ging es ein paar Tage weiter, ich habe jeden Moment genossen, bin allerdings auch kürzere Strecken gefahren. Erstaunlich war, dass kleine Steigerungen mir von Fahrt zu Fahrt weniger ausmachten. Die Fahrten gaben mir Vertrauen in mich selbst, dass ich doch ein wenig sportlicher sein könnte. Ich wurde mit jeder Fahrt sicherer, obwohl ich über 20 Jahre nicht mehr aktiv Fahrrad gefahren bin.
Warum Fides / Vertrauen?
Warum packe ich dies nun in die „Fides / Vertrauen“-Kategorie? Beim regelmäßigen Fahrradfahren geht es nicht nur um Bewegung, sondern auch um Vertrauen – Fides – in sich selbst und den eigenen Prozess.
Trotz Müdigkeit oder Motivationstiefs erfordert es das Vertrauen, dass man die Routine durchhält und der Körper mitmacht. Es bedeutet, zu wissen, dass kleine Schritte über die Zeit Fortschritt bringen, auch wenn man die Wirkung nicht sofort sieht. Dranbleiben ist dabei kein Zwang, sondern ein Ausdruck von Selbstdisziplin und die Gewissheit, dass man sich selbst zutraut, Ziele zu erreichen und Kontrolle über den eigenen Alltag zu behalten.
Und gerade in sportlichen Aspekten fiel und fällt mir das immer schwer.
Gerry
1 Leuchten zu „Fides #1 – Radfahren in der Freizeit“
Gerade bei der ersten Überschrift musste ich an einen Song denken, welchen ich dir hier gerne empfehle:
Johannes Oerding – Anfangen – Album: Konturen
Und nun höre ich mich schon die nächsten Tage nur noch J Ö hören. lol