Bevor ich anfange, möchte ich darauf hinweisen, dass die Begriffe „behindert“, „eingeschränkt“, „psychische Störung(en)“ oder ähnliche Begrifflichkeiten nicht als Beleidigungen zu verstehen sind. Diese Begriffe sind für diesen Blog jedoch essentiell wichtig. „Besonders“ empfinde ich nicht als richtig, da diese Menschen ein Recht darauf haben, genauso behandelt zu werden wie alle anderen auch.
Ich habe lange überlegt, unter welche Kategorie ich dieses Thema setze.
Der Daily-Blog schied aus – dafür ist das Thema zu speziell.
„Gerry bellt“ passt auch nicht, denn ich will hier nicht nur schimpfen, auch wenn ich das teilweise tun werde.
„Aus meinem Leben“ passt ebenfalls nicht, da es mich nicht direkt betrifft.
Schlussendlich habe ich mich für mein Gerrys-Welpen-Projekt entschieden, weil mir diese Geschichte zugetragen wurde – und damit einen kleinen, großen Stein ins Rollen gebracht hat.
Nach meinem Blog Nummer #9 ist man auf mich zugekommen und hat mir eine Geschichte erzählt, über die ich erst einmal nachdenken musste. Es geht um Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen sowie psychischen oder kognitiven Einschränkungen.
Ich begann daraufhin, weitere Geschichten zu sammeln.
Ich suchte Unterstützung, wurde weitervermittelt, sprach in Gruppen oder durfte mein Anliegen selbst vorstellen.
Es folgten zahlreiche Chats, Telefonate und sehr viele Sprachnachrichten. Eine Woche lang floss nahezu meine gesamte Freizeit in dieses Thema.
Am Ende kamen fünf Geschichten zusammen:
- drei von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen
- eine von einer Person mit kognitiven Einschränkungen
- eine von einer Person mit körperlicher Behinderung
Zusätzlich schilderte mir eine weitere Person ihre Eindrücke, und ich sprach mit zwei Menschen, die zwischen behinderten und nichtbehinderten Wuffeln vermitteln.
Um weder den Blog noch den BarkCast zu überladen, habe ich die Fälle aufgeteilt. Einige tauchen nur hier auf, andere nur im BarkCast, manche in beiden Formaten.
Ich werde keine Namen nennen – auch wenn ich für fast alles die Erlaubnis hätte. Die Betroffenen werden sich ohnehin erkennen.
Genug der Einleitung.
Wir legen los.
Allgemeines Empfinden
Während meiner Zeit in diesem Kreis ist mir eines sehr deutlich geworden:
Viele dieser Menschen fühlen sich allein – und alleingelassen.
Unabhängig von der Art ihrer Einschränkung fällt es ihnen schwer, Menschen zu finden, die sie wirklich verstehen. Freundschaften sind oft rar, Partnerschaften noch seltener. Einsamkeit ist ein ständiger Begleiter.
Diese Zeilen sollen kein Mitleid erzeugen. Davon bekommen sie genug.
Was fehlt, sind Offenheit, Respekt und echtes Verständnis.
Gerade Menschen mit psychischen Problemen – etwa mit einem „Monster im Kopf“ – tragen viele Sorgen und Ängste mit sich. Gruppen auf Telegram oder ähnliche Räume sind für sie oft die erste und einzige Anlaufstelle.
Was mir und einem Gesprächspartner besonders auffiel:
Viele Gruppen ersticken Negativität sofort.
„Zieh die Gruppe nicht runter.“
„Such dir professionelle Hilfe.“
„Mach das privat.“
Dabei wird übersehen, dass manche Menschen schlicht keinen anderen Ort haben.
Natürlich gibt es Themen, die nicht in Gruppen gehören – Selbstverletzung oder Suizidgedanken etwa. Aber viele sind einfach erschöpft vom Alltag und wollen sich aussprechen. In Gruppen, in denen sie sich eigentlich sicher fühlen.
Stattdessen wird oft nur die heile Welt gepflegt: Spaß, Sex, Sticker.
Für eine Community, die Zusammenhalt predigt, ist das ein erschreckender Widerspruch.
Ein wenig Aufmerksamkeit kann reichen, um jemanden wieder aufzufangen.
Manchmal verhindert sie den Sturz in den Abgrund.
Betroffene
Fall 1: ADS – die Angst, es anzusprechen
Dieser Gesprächspartner bat mich, den Unterschied zwischen ADS und ADHS kurz zu erklären.
ADS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Ohne Behandlung fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Man wirkt abwesend, leer. Bei ihm äußert sich das gelegentlich in körperlichen Ticks oder Zwangshandlungen.
ADHS ist das Gleiche – plus Hyperaktivität. Unruhe, Bewegungsdrang, impulsives Verhalten.
Aus Angst vor Ablehnung spricht er kaum über seine Störung. Wenn er es doch tut, kommen dumme Sprüche.
ADS oder ADHS sind jedoch keine Befindlichkeiten. Therapien sind langwierig, oft lebensbegleitend, manchmal medikamentös. Betroffene arbeiten täglich an sich.
ABER (!):
Es gibt auch Menschen, die zuhören, nachfragen und unterstützen. Leider sind sie die Minderheit.
Fall 2: Nur gute Erfahrungen
Dieser Gesprächspartner sitzt aufgrund einer schweren körperlichen Beeinträchtigung im Rollstuhl. Er schilderte mir den einzigen rein positiven Fall.
Auf Events begegnet man ihm mit Respekt und Hilfsbereitschaft. Dieser Fall zeigt: Es gibt sie – aufrichtige, rücksichtsvolle Menschen in dieser Community.
Fall 3: Kognitive Störungen – ein Herrchen leidet mit
Dieses Herrchen hat mehrere Einschränkungen: Kurzatmigkeit, Vergesslichkeit, gelegentliche Hyperventilation.
Oft wird er deshalb falsch eingeschätzt. Dabei ist er einer der herzlichsten Menschen, die ich kenne.
Was mir fehlt, ist simples Nachfragen.
Neurodivergenz ist real – und wird dennoch viel zu oft ignoriert oder belächelt.
Vermittler
Der Vermittler dieses Projekts ist ein echter Gewinn für die Community. Er schafft Verständnis, entschärft Konflikte und hilft sowohl Betroffenen als auch Verursachern.
Appelle
An die Betroffenen:
Nicht jede Nachfrage ist ein Angriff. Oft ist sie ein ehrliches Hilfsangebot.
An alle:
Hört auf, vorschnell zu urteilen.
Geht auf Menschen zu.
Fragt nach.
Mitleid hilft nicht.
Akzeptanz schon.
Mein Schlusswort
Körperliche Behinderungen erfahren oft mehr Akzeptanz als psychische. Das ist falsch.
Beides ist real. Beides verdient Respekt.
Hinter Einschränkungen stehen Menschen mit Bedürfnissen, Wünschen und dem gleichen Recht auf Zugehörigkeit, Liebe und Kultur wie alle anderen.
Danke an alle, die dieses Projekt unterstützt haben.
Euer Gerry
Nachtrag:
Ihr seid selbst ein besonderer Wuffel? Meldet euch via Telegram bei @pup_Morpheus.

6 Leuchten zu „Take my help #6: Besondere Wuffel, überall“
Danke Gerry.
Dieser Blog ist so wichtig und danke das du dir die Mühe gemacht hast das alles zusammen zu tragen und dir sie Zeit genommen hast so vielen zuzuhören.
Auch danke an alle die zu diesem Blog ihre Erfahrungen geteilt haben.
Besonders statt Behindert.
Der_Suri
Danke Dir für diesen Text und dass du darüber berichtest. Ich bin selbst Betroffener. Und mein Empfinden ist leider der selbe. Ich habe schon oft erlebt, wie Wuffels, die ihre Sorgen loswerden wollten, einfach ignoriert oder dumm angemacht wurden. Deswegen habe ich meine Sorgen nie offen gezeigt.
Die Aussagen, man solle sich professionelle Hilfe suchen, sind auf einer Seite richtig, weil es nun mal wichtig ist. Auf andere Seite, wer sagt dass man es schon nicht ist? Ich kann von mir behaupten, ich bin es seit fast 10 Jahren. Ich habe gelernt mit meiner PTBS täglich umzugehen. Ja, ich habe fast täglich damit zu kämpfen. Nicht desto trotz gibt es Tage wo keine Strategien mehr helfen und man so fertig ist, dass man es loswerden will. Was ebenfalls wichtig ist. Und an einen Abend, vorallem am Wochenende kann man schwer seine_m Therapeut_in anrufen. Nicht jeder hat Familie, nicht jeder hat Freunde. Für gesunde, gutaussehende Wuffels ist es nicht zu verstehen. Die haben ja welche.
Vorallem sollen sich Menschen fragen, was die Ursachen für psychische Erkrankungen sind. Keiner würde sowas erleben wollen.. also warum dann Menschen die Schlimmes erlebt haben so verurteilen? Ausgrenzen? Seid dankbar dass ihr es nicht habt.
Es bringt schließlich niemanden um wenn er mal zuhört oder wenigstens virtuellen Hug zu senden. Ignorieren ist emparhielos! Dann soll man auch nicht schreien, wie „toll, familiär und wunderbar die Community ist“ denn das ist die nicht!! Ist man anders, ist man nicht willig seine Schw****Bilder zu posten oder zu vög*** , ist man uninteressant.
Mit dem Thema Behinderungen, egal ob physisch oder psychisch, kann aber auch nicht jeder richtig umgehen. Man ist nicht immer empathielos, wenn man jemandem nicht direkt helfen will oder den Spruch mit professioneller Hilfe bringt. Viele Leute sind schlichtweg überfordert, wenn sie mit so einem Thema konfrontiert werden. Ich selbst hatte mal einen Fall, da hat mich jemand auf Discord angeschrieben, der schon suizidgefährdet war und sich des öfteren selbst Gewalt angetan hat. Zuhören konnte ich in dem Fall und das hab ich auch gemacht. Aber helfen konnte ich nicht wirklich. Und ja, der war auch schon in Therapie. Letztendlich hatte er aber auch schon ein paar andere Leute, die ihn besser kannten und auch mal in solch kritischen Momenten beruhigen konnten.
Es ist kurz und knapp schwierig, immer das richtige zu tun, denn jeder braucht etwas anderes und unterschiedlich viel davon. Letztendlich kann man ein falsches Wort in den Raum werfen und es damit nur schlimmer machen. Generell find ich es aber schon wichtig, dass man solche Themen und die Leute, die es betrifft, nicht einfach ignoriert, weil sie einem vielleicht unangenehm sind. Man sollte nur nicht vergessen, dass derjenige, an den man sich wendet, auch nicht alles kann.
Ich denke dass man schon besser damit umgehen kann und Leute nicht einfach nur von sich stoßen muss, wenn sie sich einem denn öffnen wollen. Wie schon erwähnt, zuhören kann man immer, auch wenn man es selbst vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann oder es einen eigentlich gar nicht betrifft.
Selbstverletzung oder anderes ist schon hart. Da kann tatsächlich nicht jeder damit umgehen. Das stimmt. Und mehr als zuhören kann man auch nicht.
Aber die meisten von uns verlangen es auch nicht. Ich hatte selbst mit Verletzungen und den Rest früher zu kämpfen, habe aber fremde Menschen nie mit sowas konfrontiert. Da ich weiß dass jeder Mensch Grenzen hat und schließlich will man nicht andere belasten. Zumindest bin ich so.
Aber wenn einer am weinen ist und erzählt was ihm gerade bedrückt oder um ein Rat bietet, wo fast jeder eigentlich helfen kann, weil es was simples ist, nur für die Person in dem Moment nicht..und niemand drauf reagiert und man stattdessen zu hören bekommt dass er Leute nicht runterziehen soll, ist es schon empathielos. Selbst wenn man keinen Rat hat..eine Umarmung ist sooo viel Wert. Es gibt das Gefühl nicht alleine gelassen zu werden, nicht ignoriert zu werden..
Wenn jemand ein Todesfall hat, ist es nicht schwer Beileid auszudrücken..solch einfache Dinge halt.. Selbstv*rletzung und S**z*dgedanken sind natürlich andere Thema..ganz klar 🙂
Erstmal großen Respekt, für die Arbeit die du dir da gemacht hast. Hab mir den Barkcast auch angehört und da steckt auch viel Herzblut von dor drin.
Nun zum Thema selbst: Manchmal muss man sogar zwischen den Zeilen lesen, wenn man in einer Gruppe ist, weil sich die Leute gar nicht trauen zu schreiben, dass es ihnen schlecht geht.
Oft kommen dann nur die sozialkonformen antworten, weil Sie es bereits gewohnt sind, dass das wirkliche Gefühl gar nicht gehört werden will…
Natürlich gibts auch immer die Fälle, wo der eigentliche Grund für das „schlecht gehen“ einfach Jammern auf hohem Niveau ist, aber eigentlich merkt man es doch, wenn es wichtig ist.
Und was für Sachen im barkcast zu hören waren, da kann man nur den Kopf schütteln und es macht einen einfach wütend, dass sowas passiert. Natürlich kann nicht jeder gleich gut mit sowas umgehen oder darauf reagieren, aber einen Wuffel zu einem Treffen kommen lassen und dann draußen stehen zu lassen, dies klingt schon sehr böswillig und das es mit Absicht gemacht wurde (reine Spekulation von mir) aber wenn es so ist, dann ist es wirklich unterste Schublade dogger4Rage
ich freue mich sehr, dass dieses Thema so umfassend geworden ist und hoffe es bewirkt ein anderes Denken!