Reizpunkte und Überforderung
Neurodivergenzen bringen einige Nachteile mit sich, mit denen man leben muss. Unter anderem mangelnde Geduld oder starkes Unverständnis gegenüber gewissen Dingen. In den letzten Jahren kommt es immer häufiger vor, dass ich bei bestimmten Situationen am liebsten kotzen möchte.
Rollen und Verantwortung
In einem gesellschaftlichen Konstrukt – sei es eine Interessengruppe, eine Firma oder ein Team – hat jede Person eine Rolle, die sie ausfüllen muss, damit das große Ganze funktionieren kann. Manche Menschen fallen in eine Rolle hinein, andere reißen sie an sich. Und beide haben eines gemeinsam: Übernimmt man eine Rolle, muss man auch die damit verbundenen Verantwortlichkeiten übernehmen.
Ich habe sehr oft die Erfahrung gemacht, dass viele Personen, die spezielle Rollen übernehmen, sich gar nicht bewusst sind, welche Verantwortlichkeiten dahinterstecken. Vor allem dann, wenn es um Rollen mit Führungsverantwortung geht.
Wenn nichts passiert
Was passiert eigentlich, wenn Personen weder ihrer Rolle noch ihren Verantwortlichkeiten gerecht werden? Ich finde, das ist eine sehr gute Frage, die man pauschal nicht beantworten kann. Aber ich pauschalisiere jetzt trotzdem:
Nichts. In vielen Fällen passiert wortwörtlich nichts.
In diesen Momenten frage ich mich, ob Inkompetenz inzwischen einfach blind akzeptiert wird. Und hier kommt der Punkt, warum dieses Thema unter Superbia (Hochmut) fällt.
Hochmut – von zwei Seiten
Zum einen, weil ich in solchen Situationen oft denke: „Das würde ich besser hinkriegen.“ Ob ich es wirklich würde, weiß ich nicht. Aber irgendetwas in mir ist in diesen Momenten sehr davon überzeugt.
Zum anderen ist es aber auch hochmütig von den Inhabenden solcher Rollen, ihre eigene Inkompetenz nicht zu hinterfragen – und bei Konfrontation sogar Schuldumkehr zu betreiben. Das ist mir insbesondere in der Zeit in meiner alten Firma sehr oft passiert. Das sind dann auch Momente, in denen ich mich sehr zusammenreißen muss.
Menschen, die vor Inkompetenz strotzen, zeigen meist keine Einsicht. Im Gegenteil: Sie wälzen (mitunter berechtigte) Vorwürfe einfach ab und werfen sie zum Absender zurück. Und oft merken sie das nicht einmal. Häufig sind es auch Menschen, die sich vieles erlauben können, ohne wirklich ernsthafte Konsequenzen zu erfahren.
Ein konkretes Beispiel
Eine Person in meinem Unternehmen war genau so. Wenn man sie auf Probleme ansprach, schob sie diese stets auf andere. Und nicht nur das.
Sie musste immer das letzte Wort haben und drängte sich überall hinein – weit außerhalb ihres eigentlichen Aufgabenbereichs. Am Ende wunderte sich diese Person, dass viele andere Mitarbeitende große Probleme mit ihr hatten, und suchte erneut die Schuld bei anderen.
Das Ende vom Lied: Diese Person bekam ihren Willen und konnte sich ihre Arbeit quasi aussuchen. Dabei erledigte sie selbst die Aufgaben, für die sie eigentlich zuständig war, nicht einmal gut. Im Gegenteil.
Anspruch an Verantwortung
Ich finde, wenn eine Rolle klar definiert ist oder bereits durch einen bestimmten „Titel“ eine Richtung vorgibt, sollte man ihr auch entsprechend nachkommen. Und selbst wenn man es (zeitweise) nicht kann, sollte man transparent kommunizieren, warum es hakt – statt Ausreden zu suchen oder Schuldumkehr zu betreiben.
Ja, vielleicht ist es hochmütig von mir zu glauben, dass ich Rolle XY besser ausfüllen könnte als jemand anderes. Aber ich empfinde den Hochmut derer als deutlich schlimmer, die ihre Rollen nicht korrekt ausführen, mit Inkompetenz und Schuldumkehr glänzen und damit auch noch (weitestgehend) unbeschadet davonkommen oder sogar aufsteigen.
Was sind eure Erfahrungen zum Thema Inkompetenz? Vielleicht sogar in Bezug auf Familie, Hobby oder Arbeit.
Gerry
Anmerkung: Es geht nicht um einmalige oder kleine Inkompetenzen. Es geht wirklich darum, ein Team im Stich zu lassen oder dauerhaft unterirdisch zu agieren.