Avaritia - Habgier

Avaritia wird oft falsch verstanden. Habgier ist nicht das klassische „mehr, mehr, mehr“, sondern das Festhalten aus Angst, irgendwann nichts mehr zu haben.

Diese Kategorie dreht sich nicht (nur) um Geld oder Besitz, sondern (auch) um emotionale Ressourcen: Aufmerksamkeit, Nähe, Bestätigung, Sicherheit.

Habgier entsteht dort, wo Mangel war — echter Mangel, kein eingebildeter. Wer einmal erlebt hat, dass etwas Wichtiges entzogen wurde, entwickelt das Bedürfnis, es zu sichern, zu kontrollieren, festzuhalten.

In den Texten dieser Kategorie geht es genau darum: um das klammernde Gefühl, das entsteht, wenn Unsicherheit die Oberhand gewinnt. Um Situationen, in denen man mehr wollte, nicht weil man gierig war, sondern weil man Angst hatte, dass es nicht reicht.

Avaritia zeigt diese innere Enge, in der man etwas krampfhaft schützt, das man kaum greifen kann.
Diese Beiträge benennen nüchtern, wann das Festhalten sinnvoll war, wann es destruktiv wurde und wo es eigentlich aus Hilflosigkeit entstanden ist. Es ist eine Kategorie der Ehrlichkeit: kein Selbstvorwurf, sondern ein klares Erkennen der Angst vor Verlust — und wie sich daraus Verhalten entwickelt, das härter wirkt, als es gemeint war.

Avaritia ist der Raum, in dem man sichtbar machen kann, wie das Bedürfnis nach Sicherheit übersteuert, wie man Menschen oder Situationen „nicht loslassen“ konnte, wie man Kontrolle gesucht hat, um die innere Leere zu dämpfen. Hier geht es darum, das Muster zu verstehen, nicht es zu verurteilen.

Ich setze mich damit auseinander, weil „Kontrolle über Ressourcen“ für mich oft ein Stellvertreter für Sicherheit ist. Die Gier ist selten nur materiell, sondern auch emotional: das Gefühl, zu kurz zu kommen. Ich will die Mechanik dahinter sehen, damit sie mich nicht im Hintergrund steuert.

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