{"id":9887,"date":"2023-01-01T12:00:00","date_gmt":"2023-01-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g-wie-gerry.de\/?p=9887"},"modified":"2025-12-13T23:56:25","modified_gmt":"2025-12-13T22:56:25","slug":"dysthymie-kleiner-einblick-in-drei-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/g-wie-gerry.de\/en\/dysthymie-kleiner-einblick-in-drei-leben\/","title":{"rendered":"Dysthymie: Kleiner Einblick in drei Leben"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"9887\" class=\"elementor elementor-9887\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-fee2bbd elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"fee2bbd\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-3522f98\" data-id=\"3522f98\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-9e2b997 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"9e2b997\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><\/p>\n<p><strong>Wichtig zu erw\u00e4hnen<\/strong> ist immer wieder, dass die Dysthymie unheimlich flexibel ist. Sie ist bei jedem anders. Hat bei jedem andere Begleiterkrankungen und ist unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt.<br>Hier reden drei Betroffene \u00fcber ihre Art der Dysthymie. \u00dcber ihre Leben. Ihre Intimit\u00e4t. Es sind drei offene Erz\u00e4hlungen, die aber aus Anonymit\u00e4tsgr\u00fcnden durchgemischt werden. Auch auf Nachfrage wird nicht preisgegeben, was zu wen geh\u00f6rt. WICHTIG: Nicht alles trifft auf alle drei Personen zu. Nicht jeder hat gleich viel preisgegeben.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir sind drei Menschen, die mit der Krankheit Dysthymie (Dysthymia, hochfunktionale Depression, permanente Depression) unsere Leben leben. Wir haben Kinder, Haustiere, PartnerInnen, Jobs und Pflichten und Verantwortungen. Einige von uns wissen das schon sehr lange, andere nicht so. Eine\/r von uns hat sich damit arrangiert, dem\/der N\u00e4chsten f\u00e4llt es schwer, und der\/die Dritte schl\u00e4gt sich so gut er\/sie kann durch.<br>Das das nicht immer einfach ist \u2026 ist bei uns allen so. Es f\u00e4ngt oft mit Banalit\u00e4ten, wie zum Beispiel aufzustehen, an. Wir m\u00f6chten euch nun unsere kleinen Geschichten erz\u00e4hlen und werden dies gemischt in mehreren Bereichen tun. Und ab jetzt werden wir immer in der \u201eWir-Form\u201c schreiben. Auch wenn nicht alle von uns Kinder haben. Aber die Anonymit\u00e4t der Beteiligten ist uns sehr wichtig. Nicht alles trifft auf alle Beteiligten zu.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Familie<\/strong><\/h3>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Richtig bewusst, dass wir unter einer Dysthymie leiden, wurde es uns wohl erst nach der Schwangerschaft. Wir haben diese nicht so ernst genommen und gewisse Gef\u00fchle blieben bei uns aus oder wir haben sie nicht richtig erkannt. Wir dachten erst, das w\u00e4re eine Wochenbettdepression [Anm. des Autors: Eine Wochenbettdepression kann auch bei M\u00e4nnern auftreten. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.aok.de\/bw-gesundnah\/psyche-und-seele\/wochenbettdepression-bei-maennern\" target=\"_blank\">AOK<\/a> )]<br>Unser Alltag mit Kleinkind und auch Baby war superschwer. Jeder wollte was von uns. Wir wussten nie, wo uns gerade der Kopf steht. Oder was aktuell die h\u00f6chste Priorit\u00e4t hat. Kind 1? Kind 2? Wir konnten kaum noch was verarbeiten. Also lie\u00dfen wir es laufen. Oder sind geflohen. Raus aus der Situation. Irgendwo hin. Leider \u00e4nderte sich das auch nicht, als die Kinder \u00c4lter und etwas selbstst\u00e4ndiger wurden. Der Antrieb blieb einfach aus.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Und wir haben unser Leben lang schon Probleme mit der \u201eFamilie\u201c. Als Kind wurden wir immer ermahnt, zu sein wie andere. Mutig zu sein. Zur\u00fcckzuschlagen. Wir wurden f\u00f6rmlich gedr\u00e4ngt, uns mit Menschen anzufreunden, obwohl sie uns zuwider waren. Aber wir konnten es nie aussprechen. Wir wurden von unseren Blutsfamilien immer als faul oder unf\u00e4hig beschimpft, nur weil wir nicht funktionierten, wie es normalerweise ist. Zu dem \u201eFaul\u201c kommen wir sp\u00e4ter noch einmal.<br>Wir waren anders. Anders als der durchschnitt. Anders als die Kinder der besten Freundin von der Mutter. Wir waren nie gut genug. Dadurch fiel es uns auch schwer, uns zuhause zu f\u00fchlen. Oder halt auch geliebt zu f\u00fchlen. Wir erinnern uns aber, dass es einen Menschen gab, der uns liebte und uns so oft beherbergte wie er\/sie konnte. Vor allem an eine Nacht, wo ein Verwandter hinkam und durch das Haus br\u00fcllte \u201eIst das Arschlochkind wieder bei dir?\u201c. Der Satz hat sich bei uns eingebrannt. Wir waren fast \u00fcberall unwillkommen. Wir waren \u2026 \u201ekomisch\u201c.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir sind da etwas gesch\u00e4rfter. Wenn mit unseren Kindern was nicht stimmt oder sie \u201eAnders sind als Andere Kinder\u201c sind wir aufmerksam. Wir lieben unsere Kinder. Wir tun alles f\u00fcr sie \u2026 wenn wir denn k\u00f6nnen.<br>Aber zu merken, dass man das \u201eMamasein\/Papasein\u201c nicht schafft, obwohl man seine Kinder bedingungslos liebt, tut immer wieder weh und bricht einem das Blutzirkulationsorgan. Wir reden uns ein, dass wir keine guten Eltern sind und ob wir alles richtig machen. Manchmal l\u00e4sst uns dies richtig verzweifeln.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Partnerschaft und Intimit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Aber auch die Partnerschaft kann f\u00fcr uns sehr anstrengend sein. Dadurch, dass die Dysthymie nicht besser wird im Laufe des Lebens, verschwindet, sofern sie \u00fcberhaupt da war, entsprechende Spontanit\u00e4t. Man m\u00f6chte nicht wirklich weggehen. Gut. Mit Kindern ist das ja generell auch nochmal so eine Sache.<br>Uns f\u00e4llt es schwer, mit unseren PartnerInnen 24\/7 zusammen zu sein. Wir brauchen einen Raum f\u00fcr uns. Einen Raum, den wir bei Bedarf auch schlie\u00dfen k\u00f6nnen. Irgendwann wird es einem einfach zu viel. Und es baut sich Frust auf.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Es gab Situationen, in denen wir uns dachten, einfach zu gehen egal wohin, selbst unter einer Br\u00fccke w\u00e4re es uns lieber gewesen. Auch Gedanken sich das Leben zu nehmen und einen kompletten Schlussstrich ziehen oder unseren PartnerInnen einfach alles M\u00f6gliche an den Kopf zu werfen (Teller, Tassen, Lebensmittel\u2026). Frust ablassen, obwohl der\/die PartnerIn uns gar nichts getan hat.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich Intimit\u00e4t, sind wir drei sehr unterschiedlich, da auch unsere PartnerInnen sehr unterschiedlich ticken, was das Thema angeht. Daher widersprechen sich folgende Aussagen etwas.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir konnten unseren PartnerInnen auch leider nicht mehr so die Zuneigung geben, die sie brauchten, wie eine Umarmung, Zweisamkeit oder generell N\u00e4he, all das war mir oft zu viel und ich hatte auch kein Interesse daran, obwohl wir diesen Menschen, nach unserer Definition, mehr als alles andere auf dieser Welt, lieben (und die Kinder nat\u00fcrlich auch). Es ging einfach nicht. Und teilweise geht es immer noch nicht.<br>Also gibt man dem\/der Partnerin Freiheiten, die aber f\u00fcr uns auch nicht gerade leicht sind. Denn manche von uns sind eifers\u00fcchtig oder es wird die Angst getriggert, dass uns der Mensch, der uns so viel bedeutet, uns f\u00fcr eine\/n Spielgef\u00e4hrtin verl\u00e4sst. Es ist schwer zu ertragen. Aber unsere PartnerInnen sollen ja nicht unsere Krankheit ausbaden.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Es geht aber auch umgekehrt. Was ist, wenn man selbst durchaus sexuell aktiv sein m\u00f6chte aber der\/die PartnerIn nicht? Man hat Angst, dass irgendwann das Gef\u00fchl aufkommt, man w\u00fcrde seine\/n Partnerin dr\u00e4ngen, zu etwas, was er\/sie nicht m\u00f6chte. Also resigniert man irgendwann. Man macht keine Anspielungen mehr, die sexuell angehaucht sein k\u00f6nnten. Man arrangiert sich und holt sich einen runter oder fingert sich, wenn der Partner nicht in der N\u00e4he ist oder man ungest\u00f6rt ist. Und irgendwann wird man dabei durchaus kreativ.<br>Deprimierend ist dann, wenn der\/die PartnerIn vor Freunden und bekannten sexuelle Witzchen macht oder andere Frauen\/M\u00e4nner kommentiert und man sich denkt \u201eHier bin ich. Du kannst dich austoben. NIMM MICH!\u201c Und es aber nicht passiert.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Und wenn man weg vom Sexuellen geht, bleiben da noch gewisse Z\u00e4rtlichkeiten, die f\u00fcr manche auch ein Liebesbeweis sind. Aufgrund dessen, dass wir eher die Distanz m\u00f6gen, sehen es unsere PartnerInnen oft nicht, dass wir doch mal gekrault werden wollen. Zum Beispiel zum Einschlafen oder halt ein kurzes Streicheln.<br>Einige von uns arbeiten hart an sich, um entsprechende N\u00e4hen wieder zuzulassen. Wir umarmen unsere PartnerInnen \u00f6fter und irgendwann gef\u00e4llt es uns sogar. Weil wir feststellen, dass es unseren Kopf beruhigt, der sonst immer von so viel \u201eKrach\u201c bewohnt wird.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Schwierig wird es dann, wenn auch entsprechende Anspielungen nicht verstanden werden. Wir k\u00f6nnen uns nicht so gut ausdr\u00fccken. Weil wir auch nicht fordernd oder unfair sein wollen, oder nicht fordernd sein k\u00f6nnen. Au\u00dferdem beschleicht uns immer die Angst, dass, wenn wir was ansprechen, dass es als Gen\u00f6rgel aufgefasst wird und unsere PartnerInnen irgendwann die Nase voll haben.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Zusammenfassend m\u00f6chten wir aber noch eine Sache dringend Erw\u00e4hnen und dreifach unterstreichen: Unsere PartnerInnen nehmen uns unheimlich viel Last von den Schultern, so gut sie k\u00f6nnen. Und das ohne, dass wir fragen m\u00fcssen. Und daf\u00fcr ist jeder Einzelne von uns so dankbar. Wir k\u00f6nnten diese Dankbarkeit nie in Worten ausdr\u00fccken. Oder gar Taten.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ordnung und Hygiene<\/strong><\/h3>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Knackpunkt einer permanenten Depression (Dysthymie) ist, dass unsere Energiehaushalte sehr niedrig sind, da das permanente \u201eGrau im Kopf\u201c unheimlich energiezehrend ist. Es ist f\u00fcr viele sehr schwer, nachzuvollziehen, wie es ist, den ganzen Tag auf low energy zu laufen.<br>Das wirkt sich auch auf die Ordnung aus. Wenn wir unsere Schreibtische anschauen, kann einem schlecht werden. Verpackungen von S\u00fc\u00dfigkeiten, Teller, Tassen. Vieles bleibt lange liegen. Jetzt k\u00f6nnte man sagen \u201eNimm es doch mit, wenn du raus gehst\u201c. Doch der Struggle ist real. Ja wir k\u00f6nnten das. Und wir denken auch dr\u00fcber nach.<br>\u201eDu kannst die Tasse mitnehmen. Dann ist sie weg\u201c<br>\u201eAber das kostet Energie. Daher hast du keine Lust.\u201c<br>\u201eAber dann ist sie weg.\u201c<br>\u201eIst doch egal. Geh und leg\/setz dich irgendwo hin.\u201c<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Dieser innere Monolog ist jetzt stark vereinfacht. Aber er findet statt. Und das bei allen h\u00e4uslichen T\u00e4tigkeiten. Beispielsweise wenn wir zum Arzt gehen und da steht eine M\u00fcllt\u00fcte an der Wohnungst\u00fcr. Wir k\u00e4mpfen mit uns selbst, diese mit herunter zu nehmen.<br>Unser Kopf sieht nur den kleinen Umweg. Den Energieverbrauch dahinter. Und wir geben unser bestes diesen Kampf zu gewinnen. Es klappt nicht immer. Aber wir versuchen es. Jedes einzelne Mal. Nicht nur f\u00fcr uns. Auch f\u00fcr unsere PartnerInnen, um ihnen wenigstens eine Kleinigkeit abzunehmen.<\/p>\n<p>Einige haben uns, nach den Diagnosen und den Erkl\u00e4rungen an den Kopf geworfen, dass wir dies ja nur als Ausrede nehmen. Inzwischen ist uns das egal. Wir wollen es nicht mehr erkl\u00e4ren, da es eh nur schwer nachzuvollziehen ist und wir es eh nicht gut erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Also wof\u00fcr noch die M\u00fche.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Mit der Hygiene ist es \u00e4hnlich. F\u00fcr uns ist es \u201eunn\u00f6tiger\u201c Aufwand sich jeden Tag zu duschen, waschen oder die Z\u00e4hne zu putzen. Die meisten von uns \u00fcberwinden dies. Und wenn es nur eine Katzenw\u00e4sche ist. Aber es kostet jedes Mal Kraft. F\u00fcr viele ist es selbstverst\u00e4ndlich, jeden Tag zu duschen (auch wenn das nicht gut f\u00fcr die Haut ist) oder sogar zu baden.<br>Wir sind froh, wenn wir wenigstens die Z\u00e4hne geputzt bekommen. Manche von uns denken sich auch, wof\u00fcr man diesen Aufwand betreiben soll. Gerade wenn man eh zuhause ist. Aber wir tun es. Und wir versuchen, uns zu bessern. Wir arbeiten hart daran, ordentlicher und reinlicher zu werden. Und es ist ein Prozess, der viel Zeit beansprucht.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sexualit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten das Thema noch einmal im Allgemeinen aufgreifen. Denn Sexualit\u00e4t an sich ist f\u00fcr einige von uns nicht selbstverst\u00e4ndlich. Wir haben viele Ideen und Fantasien. Nehmen wir mal etwas ganz Banales, wie den Besuch in einem Sexkino oder one night stands. Was k\u00f6nnten wir da nicht alles tun?<br>Doch am Ende tun wir das nicht. Und da spielen auch die Begleiterkrankungen der Dysthymie noch stark mit rein. Dysthymie-Menschlein mit seichten Begleitkrankheiten haben nicht zwangsweise diese Probleme, wie andere, die gleich ne ganze Ladung an Begleiterkrankungen mitbekommen haben.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich brauchen einige von uns eine m\u00f6glichst enge Bindung zu unseren SpielpartnerInnen. Ansonsten trauen wir uns vieles nicht. Oder wir finden dann halt den Startknopf nicht und m\u00fcssen uns im schlimmsten Fall dr\u00e4ngen lassen Dinge zu tun. Und selbst wenn die Bindung vorhanden und auch ein gewisses Ma\u00df an N\u00e4he hervorgebracht hat, ist es nicht immer einfach.<br>Man f\u00fchlt sich selbst vielleicht nicht sexuell anziehend. Hat lieber nur Sex im Dunkeln. Hat mit gewissen Themen Ber\u00fchrungs\u00e4ngste oder es f\u00fchlt sich einfach falsch an, obwohl wir alle wissen, dass Sexualit\u00e4t nichts Falsches ist.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Der Gedanke an einem Pornokino z.B., oder was man mit Onlinebekanntschaft xyz machen k\u00f6nnte, erregt uns oft schon sehr. Aber sobald wir die M\u00f6glichkeit oder Zeit h\u00e4tten, rei\u00dft uns die Depression mit, redet uns schlecht und raubt uns die Energie und Neugier. Oder \u00c4ngste spielen rein.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>\u201eWas wenn ich nicht ausdauernd genug bin?\u201c<br>\u201eWas wenn ich nicht gut genug gebaut bin f\u00fcr andere?\u201c<br>\u201eSind \/ ist mein\/e Br\u00fcste \/ Penis zu klein?\u201c<br>\u201eWas wenn mich jemand begrabscht, den ich widerlich finde?\u201c<br>\u201eWas ist, wenn ich einfach h\u00e4sslich bin?\u201c<br>\u201eWas ist, wenn\u2026\u201c<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Es ist wirklich anstrengend. Und weiter oben haben wir ja dar\u00fcber geredet, unseren Partnern entsprechende Freiheiten geben. Umgekehrt geht das aber genau so. Manche von uns haben auch gewisse Freiheiten. Wir nutzen sie aber nicht oder besser, man gibt uns nicht die Chance sie zu nutzen.<br>Man wird zwar mit angeboten \u00fcbersch\u00fcttet, aber es muss ja immer sofort sein. Wir bekommen nicht die Zeit eine Bindung aufzubauen, bevor man sich trifft. Und wehe man fragt nach einem seichten Kennenlernen bei einem Kaffee. Das ist, als wenn man sagen w\u00fcrde \u201eDu bist h\u00e4sslich ich will nichts von dir.\u201c. Das Gespr\u00e4ch ist quasi beendet oder verl\u00e4uft sich.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Und ja. Wir sind schon \u00f6fter ins kalte Wasser gesprungen und meist war es eine Entt\u00e4uschung. Wir haben uns nicht getraut, das zu machen, was uns erregt hat oder der\/die SexpartnerIn ist nicht auf uns eingegangen.<br>Das sorgt am Ende daf\u00fcr, dass wir uns nicht mehr trauen, die Dinge zu machen, die uns erregen in Gedanken. Wir schreiben sogar in unsere Datingprofile, was mit uns ist, was wieder daf\u00fcr sorgt, dass uns erst gar keine\/r mehr anschreibt. Am Ende ist es dann ein \u201eEgal wie du es machst, du machst es falsch.\u201c \u2013 Gedanke.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hilfe und Behandlungen<\/strong><\/h3>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir sind in Therapie \u2026 oder auch nicht. Eine\/r von uns ja. Die anderen beiden nicht. Warum? Weil alle Stellen, die uns therapieren w\u00fcrden, zum Bersten dicht sind. Es gibt Wartezeiten teilweise \u00fcber mehrere Jahre. Und jedes Mal, wenn wir dies erneut h\u00f6ren, rei\u00dft es uns wieder runter und wir br\u00e4uchten die Therapie noch dringender.<br>Das sind dann Momente, die an unseren so schon geringen Energieressourcen knabbern. Ja wir wissen, dass man dran bleiben muss. Aber gerade bei Dysthymie ist es von Vorteil einen Therapeuten mit Approbation zu haben. Das wurde uns sehr deutlich nahegelegt.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir wollen geholfen werden. Aber uns bietet die aktuelle Therapeutenlage nicht die M\u00f6glichkeit dazu. Also gar nicht. Und zus\u00e4tzlich sollte man mit dem Therapeuten auch zurechtkommen. Wenn das nicht klappt. Geht das alles von vorne los. Und einen Therapeuten mit Approbation zu finden, ist wie eine Nadel in Heuhaufen. Einen Therapeuten mit Approbation und freien Termin, wie eine Nadel in 3 Heuhaufen. Und einen Therapeuten mit Approbation, freien Termin und mit dem man zurechtkommt wie eine Nadel in 10 Heuhaufen.<br>Alles nicht so einfach. Aber wir geben nicht auf. Mit oder ohne Therapeut. Wir bleiben, so gut es geht, aufrecht stehend und gehend.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>WICHTIG: Nicht alles trifft auf alle drei Personen zu. Nicht jeder hat gleich viel preisgegeben.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Wir hoffen, dass euch dieser Einblick gezeigt hat, dass das Leben mit dieser Krankheit nicht gerade einfach ist und vor allem, dass wir uns M\u00fche geben. Auch wenn es nicht immer funktioniert. Aber wir sind dankbar, dies Mal erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Und nochmal ein Dank an unsere PartnerInnen, die uns so nah stehen und uns so sehr helfen. Wir lieben euch.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Die drei Erz\u00e4hler<\/p>\n<p><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wichtig zu erw\u00e4hnen ist immer wieder, dass die Dysthymie unheimlich flexibel ist. Sie ist bei jedem anders. 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