{"id":1979,"date":"2016-01-13T16:00:03","date_gmt":"2016-01-13T15:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sinnesbolognese.de\/?p=1979"},"modified":"2025-12-13T23:57:06","modified_gmt":"2025-12-13T22:57:06","slug":"wuensche-vs-arbeitsamt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/g-wie-gerry.de\/en\/wuensche-vs-arbeitsamt\/","title":{"rendered":"W\u00fcnsche vs. Arbeitsamt"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<figure id=\"attachment_1980\" aria-describedby=\"caption-attachment-1980\" style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1980 size-full\" src=\"http:\/\/g-wie-gerry.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/AA-Leipzig.jpg\" alt=\"Quelle: Bettenburg in der Wikipedia auf Deutsch\" width=\"256\" height=\"192\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1980\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Bettenburg in der Wikipedia auf Deutsch<\/figcaption><\/figure><br \/>\nIn letzter Zeit f\u00fchre ich viele Unterhaltungen mit Menschen, welche erst k\u00fcrzlich in mein Leben getreten sind. Einige davon haben Minijobs, sind kleinselbstst\u00e4ndig oder sogar Arbeitslos und somit regelm\u00e4\u00dfig beim Arbeitsamt vorstellig. Es sind wirklich nette Menschen die Besseres verdient haben als das. Gerade die Arbeitslosen wissen immer wieder interessantes aus ihrem Leben zu berichten und vor allem, aus ihren Erfahrungen mit den hiesigen Arbeits\u00e4mtern.<br \/>\nIch selbst war ebenfalls vier Jahre arbeitslos und wei\u00df somit wie hart diese Zeit sein kann. Insbesondere wenn es um den Wunsch geht, endlich wieder etwas sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Nur habe ich damals gelernt, dass das Arbeitsamt genau dabei die schlechteste Hilfe ist. Und leider, obwohl das schon \u00fcber acht Jahre her ist, scheint sich daran nichts ge\u00e4ndert zu haben. Im Gegenteil: es wird schlimmer.<br \/>\nWie oft haben wir als Kind von einem ganz bestimmten Job getr\u00e4umt, welchen wir unbedingt einmal nachgehen wollten. Diese Tr\u00e4ume haben sich im Laufe der Jahre bei den meisten Menschen zu Zielen entwickelt. Oft auch zu Zielen, welche inzwischen unerreichbar sind. Wobei dies der falsche Ausdruck ist. Eher unerreichbar gemacht werden. Gerade wenn der Ernst des Lebens beginnt, sitzen wir da und fragen uns, was wir nach der Schule machen. Oder nach der K\u00fcndigung oder andere Gr\u00fcnde welche uns in die Arbeitslosigkeit treiben. Wo wollen wir hin? Was wollen wir machen? Und irgendwann haben wir eine Antwort und sind gezwungen, diese dem Arbeitsamt mitzuteilen. Dieses l\u00e4dt einen dann zu einem Gespr\u00e4ch ein und man beginnt zu erz\u00e4hlen. Und erz\u00e4hlen. Und *g\u00e4hn* zu erz\u00e4hlen. Immer mit dem bitteren Beigeschmack, dass die Person gegen\u00fcber eigentlich gar keine Lust hat zuzuh\u00f6ren, geschweige denn dies auch zu beherzigen.<br \/>\nStattdessen tippt sie irgendwas in ihren Computer und man selbst unterschreibt, dass man verpflichtet ist sich zu bewerben. Einige Wochen sp\u00e4ter, nach unz\u00e4hligen und fruchtlosen Bewerbungen werden wir vorgeladen und uns wird vorgehalten, wir w\u00fcrden nicht gut suchen, seien zu faul (ja das d\u00fcrfte ich mir tats\u00e4chlich anh\u00f6ren) oder unsere Bewerbungen sind zu schlecht. Nun beginnt die Zeit, in der wir uns auf die Stellen bewerben m\u00fcssen, die uns das Arbeitsamt vorschreibt und uns, liebevoll verpackt und einem Post-It \u201eSofort bewerben!\u201c markiert, zu etwas zwingt, was wir eigentlich gar nicht wollen. Nach n\u00e4herer Betrachtung muss man sich erst einmal hinsetzen.<br \/>\n\u201eMit welcher Silbe in dem Gespr\u00e4ch habe ich erw\u00e4hnt, dass ich in einem Callcenter, als Hausmeistergehilfe oder als Regalpacker arbeiten will?\u201c schie\u00dft uns durch den Kopf und unsere Wunscht\u00e4tigkeit r\u00fcckt in weite Ferne. Bei Kl\u00e4rungsversuchen mit dem Sachbearbeiter haben wir besonders viel Spa\u00df. \u201eEntweder Sie bewerben sich da oder wir m\u00fcssen Ihre Bez\u00fcge k\u00fcrzen.\u201c wird dann liebend gerne gesagt. Wo sind dabei unsere W\u00fcnsche? Wo ist unsere Entscheidungsfreiheit? Ich finde es ehrlich gesagt immer wieder erschreckend zu h\u00f6ren, dass Leute von ihren Tr\u00e4umen ferngezogen werden, nur damit die Statistik gesch\u00f6nt ist. Hauptsache besch\u00e4ftigt. Egal um welchen Preis.<br \/>\nMeine letzte Erfahrung war, dass ich nur noch zwei Monate zum Ausbildungsbeginn hatte und mir meine Sachbearbeiterin tats\u00e4chlich eine weitere Stelle geschickt hat, mit Aussicht auf einen Ausbildungsplatz. Ich bin grunds\u00e4tzlich h\u00f6flich. Egal in welcher Situation. Aber als ich anrief um zu erkl\u00e4ren, dass der Dame mein unterschriebener Ausbildungsvertrag bereits vorl\u00e4ge und ich somit einer anderen Person, welche den Platz vielleicht noch ben\u00f6tigte, die Chance nehmen w\u00fcrde und mich deshalb nicht vorstelle, drohte sie mir eine Sperre an. Nachdem bereits viele und vor allem unversch\u00e4mte Dinge vorgefallen sind, habe ich die Fassung verloren. Ich teilte ihr mit, dass ihr verhalten nicht dem entspricht, was ich mir unter Hilfe vorstelle und mir nun doch das Recht nehme, eine Dienstaufsichtsbeschwerde einzureichen, welche ich ihr bereits angedroht habe, und sie mich gerne Sperren darf, wenn sie der Meinung ist, dies tun zu m\u00fcssen.<br \/>\nDe Facto hat die Dame nichts getan bis auf eines: Sie meinte, wenn ich wieder arbeitslos werden sollte, werde ich Probleme haben, da sie dies vermerken wird. Bitte. Danke. Auf Wiedersehen.<br \/>\nWas dies mit diesem Thema zu tun hat? Ganz einfach: Egal was wir sagen: die Belange des Arbeitsamtes werden vor den Belangen der Menschen gestellt, die wirklich arbeiten wollen.<br \/>\nGerade in Berlin wurde festgestellt, dass uns die Arbeit krank macht. Nicht nur weil wir zu viel arbeiten sondern auch weil wir Arbeiten aus\u00fcben, welche uns keinen Spa\u00df (mehr) machen. Krank werden f\u00e4ngt immer im Kopf an. Und wenn der Kopf die Schnauze voll hat, findet der K\u00f6rper einen Weg zu sagen \u201eEs reicht\u201c. Dies wiederrum f\u00fchrt zu einem Teufelskreis.<br \/>\nKopf sagt \u201ees reicht\u201c &gt; K\u00f6rper sagt ok &gt; Arbeitnehmer ist krank &gt; Arbeitnehmer kommt wieder &gt; Kopf sagt \u201ees reicht\u201c&gt; [\u2026] &gt; Arbeitgeber k\u00fcndigt den Arbeitnehmer.<br \/>\nUnd schwupps, landen die Leute wieder beim Arbeitsamt. Und gerade heute geht besonders letzteres durchaus schnell\u2026 leider.<br \/>\nWas ich nun mit dem Beitrag eigentlich sagen will: ich m\u00f6chte einfach darauf aufmerksam machen, dass der Mensch mehr als ein Arbeitstier ist. Der Kopf hat Bed\u00fcrfnisse die nur selten in einem Callcenter befriedigt werden. Das Arbeitsamt sollte langsam damit beginnen, die W\u00fcnsche der Menschen, die Tag f\u00fcr Tag, meist hilfesuchend, vor seiner T\u00fcr steht, zur Kenntnis nehmen und nach M\u00f6glichkeit versuchen die so gut es geht zu erf\u00fcllen.<br \/>\nMir ist durchaus bewusst, dass dies nicht immer m\u00f6glich ist, aber ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass es nur noch darum geht, Leute aus der Statistik zu bekommen. Und auch das Amt sollte wissen, dass gl\u00fcckliche Arbeitnehmer auch produktivere Arbeiter sind.\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit f\u00fchre ich viele Unterhaltungen mit Menschen, welche erst k\u00fcrzlich in mein Leben getreten sind. 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